Die US-Beratungsfirma Boston Consulting Group (BCG) hat in einer Studie untersucht, wie sich der Warenverkehr in den kommenden zehn Jahren neu gestaltet.
Zentrale Prognosen der Studie zeigen, dass regionale Handelswege teilweise globale Lieferketten ersetzen werden, der Handel zwischen den USA und China schrumpfen wird, und der Warenverkehr langsamer wachsen wird als in den letzten zwei Jahrzehnten. Laut BCG wird der globale Handel mit 2,8 Prozent weniger stark wachsen als die Weltwirtschaft mit 3,1 Prozent.
Die BCG-Ökonomen diagnostizieren einen “deutlichen Rückgang der handelsgetriebenen Globalisierung”. Die Studie identifiziert fünf Trends, die den globalen Handel in den nächsten zehn Jahren prägen werden:
- Entkoppelung zwischen China und den USA: Der Handel zwischen China und den USA wird aufgrund politischer Konflikte und staatlicher Eingriffe voraussichtlich bis 2032 um 197 Milliarden Dollar gegenüber 2023 abnehmen. Der Handel zwischen der EU und China wird zwar wachsen, jedoch langsamer als der globale Durchschnitt.
- Boom in Nordamerika: Das Freihandelsabkommen der USA mit Kanada und Mexiko (USMCA), ein Nachfolgeabkommen des Nafta-Vertrags, wird voraussichtlich den Handel zwischen den drei Ländern in den nächsten zehn Jahren um 466 Milliarden Dollar steigern.
- Südostasien im Aufwind: Die Abwendung des Westens von China eröffnet Chancen für die zehn ASEAN-Länder, darunter Vietnam, Thailand und Indonesien. Viele Unternehmen werden in dieser Region aktiv sein, und der Handel wird laut BCG-Prognose bis 2032 um 1,2 Billionen US-Dollar wachsen. Nicht nur westliche Unternehmen ziehen in diese Region, sondern auch der Handel zwischen China und ASEAN wird erheblich zunehmen (plus 616 Milliarden Dollar bis 2032).
- Indiens Aufstieg: Indien wird aufgrund niedriger Kosten, qualifizierter Arbeitskräfte und verbesserter Logistik zu einem wichtigen Markt und einer Ergänzung zu China für die globale Industrie. BCG erwartet in den nächsten Jahren ein Handelswachstum von 6,3 Prozent, mehr als das Doppelte des globalen Durchschnitts.
- Russlands Verschiebung: Die Handelsströme Russlands verlagern sich hin zu den BRICS-Ländern. BCG schätzt, dass der Warenverkehr zwischen Russland und China sowie Russland und Indien bis 2032 um 134 Milliarden bzw. 26 Milliarden US-Dollar zunehmen wird. Der Handel zwischen der EU und Russland hingegen wird voraussichtlich um 222 Milliarden US-Dollar abnehmen.
Die politische Unsicherheit wird den regionalen Handel fördern, insbesondere da wichtige Wahlen weltweit für das Jahr 2024 geplant sind. Die Industriepolitik wird sich verstärkt auf nationale wirtschaftliche Sicherheit, die Schaffung neuer Arbeitsplätze und den Ausbau erneuerbarer Energien konzentrieren.
Mehr dazu auch bei PR Newswire.